Die Weser-Tidenrallye – auch ein Plädoyer für die Wanderfahrt?

wtr 28 b10Diese Vermutung liegt beim Blick auf die zweitägige Anfahrt und das Kultur-programm nahe. All das, wovon die Älteren mit leuchtenden Augen zu erzählen wissen, gibt es hier im zeitlich eng begrenzten Rahmen, sozusagen im kleinen Maßstab. Jüngere, eher alltagskompatibel-sportlich orientierte Kanutinnen und Kanuten denken bei „Wanderfahrt“ meinem Kenntnisstand nach eher an urplötzlich schwerfällig gewordene Boote, an umfangreiches Gepäck, das täg-lich mindestens zweimal hin und her bewegt werden muss, und an allerlei andere Unbequemlichkeiten mehr.

 

 

In der Tat, auch bei der zweitägigen Anfahrt von TURA nach Nordenham gibt es, außer gelegentlichem Rückenwind, nichts geschenkt. Für die Fahrt und den Aufenthalt dort gilt es für Anfänger einiges alltägliches, etwa die Versorgung mit Lebensmitteln unterwegs, wie auch alltagsfernes, zu bedenken.

Vor etlichen Tidenrallyes kam ich, noch am alten Bootshaus des WSV Norden-ham, mit einem jungen Paar ins Gespräch. Bisher, erfuhr ich, hätten sie immer nur Tagestouren gemacht, inzwischen aber Lust auf mehr: „Ferien mit Boot und Zelt – das wär’s!“ Weil sie noch keinerlei Ausrüstung für dieses Mehr hätten, waren sie in der Jugendherberge untergekommen. Nun aber wollten sie die Gelegenheit nutzen, sich einmal möglichst genau anzugucken, womit Kanuten denn so auf Reisen gehen. Darauf waren sie sehr gut vorbereitet, hatten sogar einen Fragenkatalog dabei: Welche Zeltgröße, welche Liegemattendicke ist komfortabel, wie warm muss der Schlafsack sein, wie die Reiseküche ausge-stattet, und nicht zuletzt: welche Kleidung brauche ich? „Wenn all das geklärt ist“, fügte ich hinzu, „stellt sich die Frage, welcher „Luxus“ zusätzlich noch Platz im Boot findet. Tarp, Tisch und Stuhl machen, wie Ihr sicher schon gesehen habt, den Aufenthalt im Freien unstrittig angenehmer.“ Nach kurzer Vorstellung meiner weniger auf den erwähnten Luxus ausgerichteten Reise-ausrüstung (am Verein war ja alles vorhanden) zogen sie weiter – es gab noch zu viel anderes zu entdecken.

Woher sie kamen, ob sie Boote dabei hatten und an der Weser-Tidenrallye teilnehmen wollten – danach zu fragen habe ich schlicht vergessen.

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Mit der Beantwortung dieser Fragen ist das Erlebnisspektrum der Weser-Tidenrallye als Wanderfahrt noch längst nicht ausgeschöpft. Zu befahren ist die gezeitenabhängige Unterweser mit Schiffsverkehr aller Art und weiteren Eigenheiten. Wenn wenig Wind mit der Tidenrichtung übereinstimmt, fließt sie glatt dahin, bläst er stärker und quer zur Tide, wird sie schon etwas wellig, und Wind gegen Tide gerät im Auf und Ab der Wellen schon mal zur Kraftprobe. Aber die reviererfahrenen Fahrtenleiter sorgen unterwegs wie beim Ankommen für Sicherheit und geben gern weitere Informationen zur eigenen Fahrten-planung im Tidenbereich.

Beim Fischessen in Brake treffen die Anfahrerinnen und Anfahrer mit jenen zusammen, die sich vom Sporthafen Nordenham in ihren Booten auf den Weg gemacht haben, und gelegentlich entsteht aus den ersten begeisterten Berichten vom bisher auf und mit der Unterweser Erlebten ein Funke, der für fest geplanten Urlaub bei der nächsten Tidenrallye sorgt.

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Zu jeder typischen Wanderfahrt gehören auch vertiefende Einblicke schaffende Begegnungen mit Land und Leuten. Gelegenheit dazu bietet das Kultur-programm am Freitag.

Kurzum:

Für jene, die sich nicht auf die Fahrt am Samstag beschränken, ist alles, was zu einer Wanderfahrt gehört, bei der Weser-Tidenrallye inbegriffen.

Ein letzter Satz zum Mutmachen für Neueinsteiger:

Schwächen der Ausrüstung rund ums Zelt sind mit Kameradenhilfe noch immer zu überbrücken gewesen.

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